Vintage Schmuck: Was ist mein Schmuckstück wert?
Was versteht man unter „Vintage Schmuck"?
Vintage Schmuck einfach nur als „alt“ zu bezeichnen wäre zu einfach. Es handelt sich vielmehr um gut erhaltene, qualitativ hochwertige und kunstvoll gefertigte Schmuckstücke aus verschiedenen Epochen. Meist ist damit Schmuck der letzten 80 Jahre gemeint, der Begriff kann aber auch auf die letzten 150 Jahre ausgeweitet werden. Vintage beginnt mit dem Schmuck der 1980er Jahre und endet um die letzte Jahrhundertwende.
Welche Stilrichtungen gibt es?
Die Zeit um 1900, das „Fin de siècle“, war die Blütezeit des Jugendstils. Der Aufbruch in die Moderne äußerte sich in der Kunst mit einer neuen Formensprache. Junge Künstler und Designer gingen neue Wege und suchten nach kreativen Ausdrucksmöglichkeiten, die sich häufig an die Natur anlehnten. Das galt auch für den Schmuck dieser Zeit, der Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur in Österreich, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern von einem floralen, von der Natur inspirierten Stil und einer dekorativ geschwungenen Linienführung dominiert wurde.
Feine Blüten, zarte Schmetterlingsfrauen, Libellen und andere naturnahe Motive waren besonders beliebt. Dabei wurden Edelmetalle gerne mit Email kombiniert. In Österreich setzte sich parallel zu diesen verspielten Schmuckdesigns aber auch eine eher reduzierte, geometrische Formgebung im Stil der Wiener Werkstätte mit Schmucksteinen und Korallen durch.
In den Goldenen Zwanzigern gab das Art déco den Ton an. Das Verspielte des Jugendstils wurde zunehmend von einer formalen, strengen Linienführung abgelöst. Geometrische Motive waren nun vorherrschend und die Kostbarkeit der Materialien rückte wieder mehr in den Vordergrund.
Typischer Art déco Schmuck ist meist mit vielen Brillanten geschmückt, aber auch Email war weiterhin beliebt. Besondere Ausdruckskraft erlangte Art déco Schmuck durch die Kombination stark kontrastierender Steine wie z.B. Onyx und Koralle sowie die strenge, klare Eleganz seiner Form.
1940-50 war der Schmuck vor allem opulent und figurativ. Blüten, Maschen, Schleifen und Federn wurden in Edelmetall nachgebildet und reich mit Brillanten, Saphiren und Rubinen besetzt.
In den 1960ern tat sich einiges in der Mode. So auch in Sachen Schmuck: auffällige Cocktailringe, große Steine als Eyecatcher, breite, schwere Armbänder und Blütenbroschen aus geschnittenen Schmucksteinen waren beliebte Accessoires zu den rebellischen Minirock-Looks dieser Zeit.
Die Schmuckdesigner der 70er setzten vor allem auf mattierte und strukturierte Oberflächen, die mit Rosenquarz, grünem Achat, Malachit und Tigeraugen geschmückt wurden.
In den 1980er Jahren waren viele kleinere Ringe an einem Finger sowie schmale Armreifen ein Hit. Organische Formen sind charakteristisch für den Schmuck dieser Zeit.
Tipps & Tricks für eine schnelle Einschätzung: Was ist mein Schmuck wert?
Für einen Laien ist es eher schwierig, den Wert eines Schmuckstückes richtig einzuschätzen, da hierfür einiges an Fachwissen notwendig ist. Wir haben hier die wichtigsten Punkte zusammengestellt, die Ihnen dabei helfen können herauszufinden, was Ihr Vintage Schmuck wert sein könnte.
Vintage Echtschmuck
Bei der Bestimmung der Entstehungszeit und des Wertes von Echtschmuck spielt die Punzierung eine entscheidende Rolle. Die amtliche Punze gibt den Feingehalt des Edelmetalls (Gold oder Silber) in der Legierung an. Mit einem genaueren Blick auf die Punze lässt sich Schmuck ungefähr einer Epoche zuordnen, wenn man weiß, welche Punze in welcher Zeit in Gebrauch war.
Von 1872 bis 1922 war in Österreich-Ungarn die gängigste Punze für 580 Gold die sog. „Fuchskopfpunze“. Ab dem Jahr 1922 stellte die amtliche Feingehaltspunze für 14-Karat-Gold einen Bärenkopf dar (mit Feingehaltsziffer 4), drei Jahre später wurde an dessen Stelle der Pferdekopf in das Punzbild aufgenommen, der bis 2001 in Gebrauch war. 18-Karat-Gold wurde von 1925-2001 mit einem Elefantenkopf und der Feingehaltsziffer 3 punziert.
Im Falle, dass ein Schmuckstück keine Punzierung besitzt, kann der Feingehalt von einem Fachexperten mittels einer Strichprobe mit einer Prüfsäure überprüft werden. Mit dieser Methode kann man feststellen, ob ein Schmuckstück aus echtem Gold oder einem Modeschmuckmetall gefertigt wurde und ob eine gängige Legierung (14 Karat oder 18 Karat) verwendet wurde.
Aber nicht nur der Feingehaltstempel, sondern auch die Form und die verwendeten Materialien lassen oft Rückschlüsse auf die Entstehungszeit eines Schmuckstückes zu.
Vintage Modeschmuck
Modeschmuck unterscheidet sich von Echtschmuck darin, dass er nicht aus echten Edelmetallen und Edelsteinen gefertigt ist. Er ist daher auch nicht punziert. Der modische Aspekt und das Design stehen hier im Vordergrund. Er wird meist seriell hergestellt.
Worauf Sie beim Kauf von Vintage Modeschmuck achten sollten
Wenn Sie Vintage Modeschmuck namhafter Designer wie beispielsweise Christian Dior oder Yves Saint-Laurent kaufen möchten, sollten Sie unbedingt darauf achten, ob das Schmuckstück fachmännisch geprüft wurde. Manche dieser Vintage Schmuckstücke, die auf dem Markt angeboten werden, sind nämlich gar nicht echt oder nicht aus der Zeit. Nur so können Sie sicher sein, ein Original in den Händen zu halten.
Zu welchen Zwecken wird eine Bewertung von Vintage Schmuck vorgenommen?
Bewertungen bzw. Schätzungen von Schmuck mit Wertangabe können zum Beispiel vorgenommen werden, um den Wiederbeschaffungswert (was kostet ein Schmuckstück, wenn ich es neu kaufen würde?) oder den An- bzw. Verkaufswert zwischen Privatpersonen zu ermitteln, zum Versicherungsabschluss, bei Verlassenschaften, für eine Belehnung oder eine Auktion. Ansonsten kann eine Bewertung von Schmuck auch einfach eine Einschätzung geben, ob etwas echt oder unecht ist und eine Wiederverkäuflichkeit gegeben ist.
Welche Preisbasen gibt es und wie kommen die Bewertungen zustande?
Es gibt zum einen den Materialwert, der sich an dem aktuellen Goldkurs orientiert, wenn es sich um Goldschmuck handelt. Hier fließt aber auch der Wert der verarbeiteten Edelsteine wie Diamanten, Saphire, Rubine, Smaragde etc. mit ein. Der Wert von Diamanten hängt von den sog. "4 C's" ab (Carat, Color, Clarity, Cut). Darüber hinaus kann etwas aber auch von Wert sein, obwohl kein wertvolles Material verarbeitet ist. Hier bezieht man die Arbeit, die Historie, das Design, den Hersteller bzw. eventuell berühmten Designer und die Wiederverkäuflichkeit mit ein und schätzt einen Wert. Auch der Zustand und das Alter des Schmucks haben eine Auswirkung auf dessen Wert. Ebenso spielt die Tatsache, ob das Schmuckstück als Einzelstück handgefertigt oder maschinell hergestellt wurde sowie die Verarbeitung eine Rolle.
Professionelle Hilfe bei der Einschätzung des Wertes Ihres Schmucks bieten Ihnen alle Dorotheum Pfand Filialen sowie das Juwelenlabor im Palais Dorotheum.
Stöbern Sie hier in unseren online verfügbaren Echtschmuck Einzelstücken aus Privatbesitz.
Oder lassen Sie sich von stilvollem Vintage Modeschmuck aus der Dorotheum Galerie begeistern!

