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Faszination Muranoglas

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Faszination Muranoglas

von Dorotheum Galerie · 20. Mai 2021

Wenn man ein Synonym für italienisches Kunsthandwerk sucht, ist Murano wohl die erste Assoziation. Die Inselgruppe nördlich der Altstadt von Venedig ist bekannt für ihre Glaskunst, und noch heute zeugen dort zahlreiche Glasbläsereien von der jahrhundertelangen Tradition der Glaserzeugung.

Geschichte

Das Geheimnis der Glasherstellung kannte schon die Antike im Römischen Reich. Mutmaßlich über den Handel mit Byzanz, wo die Technik erhalten geblieben war, kam sie über Venedig nach Mitteleuropa zurück. Venedig kann seit dem frühen Mittelalter als die Wiege der europäischen Glasherstellung angesehen werden. Vorgeblich aufgrund des Brandschutzes wurden im 13. Jahrhundert alle Glasöfen Venedigs auf die Insel verlagert. Vor allem diente die Maßnahme aber dazu, um das streng gehütete Geheimnis der Glasherstellung zu bewahren. In der Renaissance entwickelten sich die kunstvollen Glasprodukte des venezianischen cristallo zur wichtigsten Einnahmequelle der Bevölkerung.

Ernanno Nason Muranoglas Skulptur

Skulptur „Sokrates“, Ernanno Nason, Murano 1984

Verbreitung

Trotz aller Versuche der Republik Venedig, die Techniken der Glasherstellung und Veredelung für sich zu behalten, gelang es nach und nach Glasbläsern, in die Länder nördlich der Alpen zu emigrieren und dort Glashütten zu gründen. Entscheidend waren die Abwerbeversuche Ludwigs des Vierzehnten, der sich so seinen Traum vom Spiegelsaal in Schloss Versailles erfüllen konnte. Als Glas à la Facon de Venise lebte der venezianische Stil auch in Deutschland, Frankreich und Flandern weiter. Erst im 18. Jahrhundert wurde die Vormachtstellung des venezianischen Glases durch den Erfolg barocken Schnittglases in Böhmen und Schlesien gebrochen, denn diese Technik beherrschten die Venezianer nicht.

Barovier & Toso Muranoglas

Vase „Perseus und Medusa“, Guido Balsamo Stella, Ausführung Barovier & Toso, Murano um 1950

Bedeutung und Hersteller

Mit dem beginnenden Tourismus und der Italiensehnsucht des 19. Jahrhunderts erlebte die Glaskunst in Murano eine neuerliche Blütezeit. 1860 entstand auf der Insel eine Glasfachschule, und die Glasmanufaktur des Antonio Salviati knüpfte an die Techniken der hauchzarten Flügel-, Faden- und Netzgläser der ersten Hochblüte der lokalen Glasbläserei an. Für den Jugendstil stehen die – als Glasmarke wie Salviati heute noch existierenden – Fratelli Toso. Seit den 1950er Jahren entwickelten Designer wie Ernanno Nason oder Dino Martens wegweisende Formen und Dekore. Neben zeitgenössischem Studioglas in avantgardistischem Design, das in Glasgalerien ausgestellt und angeboten wird und hohe Preise erzielt, entwickelten sich auf Murano daneben auch Glasbläsereien, die hübsche Glasobjekte als Souvenirs für die zahlreichen Besucher der Insel vertreiben.

Dino Martens Murano Glas Vase

Vase, Dino Martens, Ausführung Vetreria Aureliano Toso, Murano um 1950

Technik

Die Konzentration der Glasherstellung auf Murano ermöglichte die stetige Verfeinerung der Rezepturen und angewandten Techniken. Zur Herstellung von Glas verwendet man Quarzsand, Kalk, Soda, Pottasche, Feldspat und Tonerde. Alle Inhaltsstoffe müssen präzise komponiert werden, um optimale Schmelzeigenschaften und die besondere Farbgebung des Murano-Glases zu erzielen. Die Aufgaben der Verarbeitung werden nach Erfahrung und Fertigkeiten des Arbeiters verteilt. So bläst der Assistent das Glas mit einer Glasmacherpfeife, während der Meister das Werkstück durch geschicktes Drehen und Wenden der Masse die gewünschte Form verleiht. Bei Temperaturen von mindestens 800 Grad Celsius erhält das Glas im Ofen eine formbare Konsistenz. Die Temperatur muss über den gesamten Prozess der Formgebung aufrechterhalten werden. Darum wird das Glas immer wieder im Ofen erhitzt, bis nach Stunden die endgültige Form erreicht ist.

Muranoglas Vase Fratelli Toso

Vase in Millefiori-Technik, Ausführung Fratelli Toso, Murano

Fachbegriffe

Murrine sind farbige Muster oder Bilder, die von einem Glasrohr geschnitten und auf vielfältige Weise in ein Glasgefäß oder eine Glasskulptur eingebaut und eingeschmolzen werden. Als Millefiori – übersetzt „Tausend Blüten“ - bezeichnet man die dekorativen Punkte in Blüten oder Sternform. Kunstvolle Verzierungen entstehen etwa in Fadentechnik, so ist das Spiralmuster eine häufige Dekoration. Filigrana sind verflochtene und verschmolzene Glasstränge, die auf den Glaskörper aufgetragen werden. Es existieren noch eine ganze Reihe von Bezeichnungen in italienischer Sprache, die sich auf den aufwändigen Herstellungsprozess der Glaskunstwerke beziehen.

Murano Glasgegenstände Manufaktur Salviati

Konvolut Glasgegenstände, u. a. Manufaktur Salviati, Murano

Sammeln

Glas aus Murano zu bewundern, heißt stets, sich mit der Vielfalt und Raffinesse seiner Formensprache, der Fantasie seiner Entwerfer und der Präzision seiner Schöpfer auseinander zu setzen. Venezianisches Glas bedeutet mehr als nur ästhetischen Genuss, fordert es den Betrachter doch auch heraus, sich auch über die kunstvollen Methoden seiner Herstellung Gedanken zu machen. Wer sich für Glaskunst aus Murano interessiert, muss nicht unbedingt nach Venedig reisen (auch wenn das ein guter Grund für einen Ausflug in die Serenissima wäre:-). Entdecken lässt es sich auch im Dorotheum und hier besonders in der Galerie im Glashof, wo eine große Auswahl an Muranoglas angeboten wird.


ENTDECKEN SIE HIER WEITERE KOSTBARKEITEN DER GLASKUNST AUS MURANO IN DER DOROTHEUM GALERIE

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